Bevor wir durch die Straßen schlendern …

... stellen wir kurz die Geschichte dieser einzigartigen Stadt und ihrer wichtigsten Denkmäler vor, die hier eine faszinierende Atmosphäre – den Genius Loci (den Geist des Ortes) – schaffen.

Geschichte

Erstmals wurde die gotische Burg oberhalb des Mäanders der Moldau im Jahre 1253 urkundlich als Sitz des südböhmischen Geschlechts der Witigonen erwähnt. Nach seinem Erlöschen (1302) fiel der herrschaftliche Sitz mit all seinen Gütern den Rosenbergern, einem der mächtigsten Ge-schlechter des Königreichs, zu. Während ihrer fast 300-jährigen Herrschaft brachten sie der Stadt Český Krumlov einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, wobei sie die Burg schritt-weise erweiterten. Zu Beginn des stürmischen 17. Jahrhunderts befand sich die Stadt für kurze Zeit in den Händen der Habsburger (Rudolf II.), die sie jedoch bald darauf den Eggenbergern (1622) übereigneten. Nach weniger als einhundert Jahren (1719) wurde Český Krumlov vom Geschlecht der Schwarzenberger erworben, in deren Besitz die Stadt bis zum Jahre 1947 verblei-ben sollte. Im Jahre 1963 wurde die historische Altstadt zum städtischen Denkmalschutzgebiet erklärt, wobei die Stadt Český Krumlov im Jahre 1992 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Denkmäler im historischen Zentrum

Die historische Altstadt von Český Krumlov besteht aus zwei Hauptteilen – dem älteren Viertel Latrán (am linken Ufer der Moldau) in direkter Nachbarschaft der Burg sowie aus der Innenstadt auf der Halbinsel am rechten Ufer des Flusses. Der Stadtteil Latrán wurde von der Nordseite durch das Budweiser Tor geschützt, welches heute das einzige erhalten gebliebene von einst neun Stadttoren ist. Es wurde in den Jahren 1598 bis 1602 errichtet. Die Dominante des Viertels Latrán und der gesamten (historischen) Stadt sind die Burg und das Schloss, der zweitgrößte Komplex seiner Art in der Tschechischen Republik (nach der Prager Burg, die sogar die weltweit größte Burganlage ist). Sie bestehen aus dem Hrádek mit einem zylindrischen Turm mit einer umlaufenden Galerie und 40 weiteren Gebäuden und Palästen. In der Vorburg „konkurriert“ dem Schlossturm der vierkantige Turm der einstigen Kirche St. Jobst. An das Burggelände grenzt der 11 Hektar große Schlossgarten, der aus einem Barock- und Rokoko-Parterre besteht, an dessen Grenze sich der als Kaskade gestaltete Neptun-Springbrunnen und etwas weiter ein (bis heute) funktionierendes Freilichttheater mit drehbarer Zuschauertribüne befindet. Eine der Kulissen für seine Aufführungen bildet das Rokokoschloss Bellarie. An die nördliche Ecke des Gartens schließt die Schlossreitschule an, ein im Jahre 1745 im Geiste des Wiener Rokokos erbautes Gebäude, die bei schlechtem Wetter der Ausbildung im Reiten diente. Heute beherbergt das Gebäude einen Ballsaal und ein Restaurant.

Im V. Schlosshof finden wir ein Weltunikat, ein einzigartiges, außergewöhnlich erhaltenes Barocktheater in seiner ursprünglichen Gestalt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, einschließlich der erhalten gebliebenen Kulissen, Kostüme sowie der Bühnentechnik. Der erwähnte Schlosshof wird vom Rest des Schlosskomplexes (Oberes Schloss) durch einen Graben getrennt, der von einer Brücke namens Na Plášti (Mantelbrücke) überbrückt wird. Ein weiterer Burggraben zwischen dem I. und II. Schlosshof ist seit dem Jahre 1707 von Bären bewohnt. Auf der Ostseite des Latrán befindet sich der Gebäudekomplex (der nach der Burg und dem Schloss zweitgrößte) des Klosters der Minoriten und der Klarissen, welches Mitte des 14. Jahrhunderts von den Rosenbergern gegründet und in den letzten Jahren großzügig revitalisiert und in ein Kultur- und Bildungszentrum umgewandelt wurde. Das Herzstück der verbundenen Klöster ist die ursprünglich gotische, im Jahre 1358 geweihteFronleichnams- und Marienkirche mit späteren barocken Umgestaltungen. Die Klostergärten (u. a. der Hof Tramín) gehören zu den ältesten der Stadt. In unmittelbarer Nähe des Klosters befindet sich jedoch auch der 1,04 ha große Brauereigarten, der heute ein gefragter Ort für prestigeträchtige kulturelle Veranstaltungen ist.

Das Stadtviertel Latrán ist mit der seit dem 13. Jahrhundert geplant erbauten Innenstadt durch die Baderbrücke (Lazebnický most – benannt nach dem ehemaligen Bad in ihrer Nähe) verbunden, an welche die Rathausstraße (Radniční ulice) anknüpft. Von dieser Straße aus biegt die Straße Parkán (Zwinger) links ab, die zwischen der Innen- und der Außenmauer der Innenstadt verläuft. Für sie sind kleine Häuser charakteristisch, die in den engen Raum zwischen den Mauern gezwängt sind. Die Straße Radniční ulice öffnet sich zum Platz der Eintracht (náměstí Svornosti), dem Zentrum der historischen Altstadt. Hier finden wir den Barockbrunnen mit der Pestsäule (aus dem Jahre 1716). Fast die gesamte Nordseite des Platzes besteht aus der Fassade des Rathauses mit Arkaden und einer Renaissance-Attika. Die vom Marktplatz aus ansteigende Obere Straße (Horní ulice) führt uns zunächst zum Jesuitenkolleg (heute das Luxushotel Růže), das in den Jahren 1586–1590 als eines der ersten in Böhmen gegründet wurde. Das Gebäude ist reich mit Sgraffiti und Wandmalereien verziert. Im Bereich gegenüber dem Hotel Růže und in unmittelbarer Nähe des Regionalmuseums befindet sich der Seminargarten, der einen der schönsten Ausblicke auf Český Krumlov bietet. Das erwähnte Regionalmuseum lockt die Besucher, neben den Dauerausstellungen und saisonalen Ausstellungen, mit seinem prächtigen Keramikmodell der Stadt, dem größten seiner Art weltweit, an. Eine kulturelle Institution von europäischer Bedeutung ist das Egon Schiele Art Centrum – eine Galerie mit 5 000 m2 Ausstellungsfläche, von der ein bedeutender Teil dem Leben und Werk des österreichischen Expressionisten, Malers und Zeichners Egon Schiele (1890–1918) gewidmet ist, der in Český Krumlov lebte und arbeitete. Über den Dächern der Häuser der Innenstadt erhebt sich der Turm der St.-Veits-Kirche, einer gotischen, dreischiffigen Kirche aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der erwähnte Turm ist neugotisch und stammt von Ende des 19. Jahrhunderts. Über die Dr.-E.-Beneš-Brücke erreichen wir wieder das linke Ufer der Moldau, wo sich der Stadtpark befindet und in seiner Nähe, in der Linzer Straße (Linecká ulice), das Museum Fotoatelier Seidel, ein perfekt erhaltenes Fotostudio von Ende des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts des bedeutenden Fotografen Josef Seidel (1859–1935) ) und seines Sohnes František (1908–1997). Nicht weit von hier steht die Synagoge aus dem Jahre 1909, ein Gebäude mit einer bewegten Geschichte. Heute ist sie ein Treffpunkt, ein multifunktionaler kultureller, künstlerischer, sozialer und spiritueller Raum.

Weitere Informationen finden Sie im Reiseführer 

Fotogalerie

, Foto: Libor Sváček
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, Foto: Libor Sváček
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